Event-Fotografie und Tipps für effektive Ausbeute beim Fotografieren

Ballett-Aufführung eines Ballett-Studios in Münster. Foto: A. Hasenkamp.

Eine Ballett-Aufführung mit Generalprobe und Premiere ist für den Event-Fotografen ein strategisches Geschenk – wenn man es richtig nutzt. Wer beide Aufführungen mit einem klaren System angeht, kommt nicht nur zu technisch starken Bildern, sondern auch zu einer breiten Auswahl, die sich tatsächlich verkauft. Der entscheidende Unterschied liegt in der Vorbereitung: Wer die 56 Abschnitte vorab analysiert, seine Positionen plant und weiß, was Eltern und Tänzerinnen kaufen wollen, arbeitet mit einer ganz anderen Effizienz. Dieser Beitrag zeigt, wie das konkret gelingt.

Grundprinzip: Beide Aufführungen liefern verkaufsfähige Bilder

Die zwei Aufführungen ergänzen sich – aber beide müssen produktiv sein. Die Generalprobe ist kein reiner Testlauf, sondern der erste vollwertige Shoot. Die Premiere ergänzt und vertieft das Ergebnis mit einer einzigen, gut geplanten Positionsänderung des Fotografen.


Vorbereitung vor der Generalprobe

Eine strukturierte Vorbereitung spart Zeit und erhöht die Trefferquote erheblich:

  • Besorge die Abschnittsliste und drucke sie als Arbeitsblatt aus.
  • Markiere vorab: Soli, Gruppenszenen, Kinder-Abschnitte, besondere Bühnenbilder.
  • Plane zwei Hauptpositionen für die Generalprobe und entscheide bereits jetzt, welche du für die Premiere zur Startposition machst – und wohin du wechselst.

Generalprobe: Systematisch fotografieren und gleichzeitig lernen

Da du dich frei bewegen kannst, arbeitest du mit einer klaren Aufteilung der 56 Abschnitte. Das Ziel ist doppelt: starke Bilder machen und gleichzeitig Erkenntnisse für die Premiere sammeln.

Positionsstrategie: Die Abschnitte aufteilen

Teile die Abschnitte in zwei Hälften – nicht unbedingt chronologisch, sondern nach Szenentyp:

  • Position A (frontal-mittig, mittlere Distanz): Gruppenszenen, Kinder-Abschnitte, symmetrische Choreografien – das sind die klassischen, verkaufsstarken Aufnahmen.
  • Position B (seitlich oder schräg vorn, nah): Soli, Pas de deux, dramatische Lichtszenen – künstlerisch anspruchsvoller, attraktiv für die Tänzerinnen selbst.

Wechsle die Positionen bei natürlichen Pausen oder Bühnenumbauten, nicht mitten in einem Abschnitt.

Lichterkundung parallel zum Fotografieren

Das Licht wechselt oft dramatisch zwischen Abschnitten. Mache in den ersten Sekunden jedes neuen Abschnitts Testaufnahmen und passe ISO und Blende an, bevor der eigentliche Höhepunkt kommt. Notiere auf deinem Arbeitsblatt, welche Abschnitte hartes Spot-Licht, Gegenlicht oder gleichmäßiges Bühnenlicht haben – das ist die Planungsgrundlage für die Premiere.

Was du aktiv suchst und sichern musst

  • Gesichtsausdrücke der Kinder: unberechenbar, brauchen viele Versuche – hier mehrfach auslösen.
  • Technische Höhepunkte: Sprünge im Scheitelpunkt, Arabesken, Hebungen – timing-kritisch, deshalb Serienaufnahmen.
  • Verbeugungen am Ende jedes Abschnitts: fast immer ein Elternkauf, niemals verpassen.
  • Problemstellen identifizieren: Wo war die Ausbeute gering? Diese Abschnitte bekommst du bei der Premiere nochmal.

Premiere: Eine Positionsänderung, maximal genutzt

Du kennst jetzt das Stück. Du weißt, wo das Licht gut ist, wo die emotionalen Höhepunkte liegen und wo deine Ausbeute aus der Generalprobe dünn war. Die Premiere ist kein zweiter Versuch aufs Geratewohl, sondern ein gezieltes Ergänzen von Lücken.

Die eine Positionsänderung strategisch planen

Der Wechsel muss vor der Premiere feststehen – nicht spontan entschieden werden:

  • Startposition: Dort, wo die meisten verkaufsstarken Abschnitte der zweiten Hälfte liegen, oder wo du in der Generalprobe die schwächsten Ergebnisse hattest.
  • Wechselzeitpunkt: An der größten natürlichen Pause im Stück – typischerweise die Halbzeit oder ein längerer Bühnenwechsel.
  • Zielposition nach dem Wechsel: Ergänzt die Generalprobe, wiederholt sie nicht – also die andere Seite, eine andere Distanz oder ein anderer Winkel.

Ein mögliches Schema: Erste Hälfte von schräg vorn links (intim, nah an den Tänzerinnen), zweite Hälfte frontal-mittig mit etwas Abstand (Gruppenbilder, Gesamtchoreografie).

Brennweitenwechsel statt Ortsänderung

Da du dich kaum bewegst, kompensierst du durch bewussten Brennweitenwechsel oder Zoom: Wechsle zwischen weitem Bild (Ensemble, Bühnenbild) und engem Ausschnitt (Gesicht, Detail) innerhalb derselben Position. Das verdoppelt die Bildvielfalt ohne Ortsänderung.


Was sich besonders gut verkauft

Eltern von Kindern – emotionale, schnelle Kaufentscheidung

Eltern kaufen impulsiv und emotional. Sie wollen ihr Kind erkennbar in einem schönen Moment sehen – alles andere ist zweitrangig.

  • Gesichtsausdruck des Kindes: Konzentration, Stolz, Freude sind Goldwert.
  • Das Kind klar im Vordergrund, Gruppe als Kontext dahinter.
  • Verbeugung am Ende – klassisches Erinnerungsbild, fast immer ein Kauf.
  • Vermeide: Aufnahmen, auf denen das Kind klein, verschwommen oder von hinten zu sehen ist.

Erwachsene Tänzerinnen – ästhetisch anspruchsvollere Käufer

Tänzerinnen kaufen bewusster. Sie wollen technische Stärke und sich gut aussehen – künstlerische Qualität ist hier entscheidend.

  • Technisch beeindruckende Momente: Sprünge im Scheitelpunkt, perfekte Arabesken, Hebungen.
  • Dramatisches Licht: Gegenlicht mit Rimlight, harte Spots funktionieren hier sehr gut.
  • Gruppenbilder mit Dynamik und Symmetrie – für Ensembles oder befreundete Tänzerinnen.
  • Schwarz-Weiß-Konvertierungen von starken Posen wirken oft stärker als Farbe.

Nach den Aufführungen: Tempo schlägt Perfektion

Eltern kaufen am häufigsten in den ersten 48 bis 72 Stunden nach der Aufführung – die Emotion ist noch frisch, das Kind erzählt zuhause davon. Deshalb:

  • Priorisiere bei der Nachbearbeitung zuerst die Kinder-Abschnitte.
  • Lieber schnell eine solide Galerie online als eine Woche später perfekt retuschierte Bilder.
  • Strukturiere die Galerie nach Abschnitten oder Rollen, nicht chronologisch – so findet jede Familie ihr Bild in Minuten.

Das sind die wichtigsten Tipps für Eventfotografen speziell bei einem solchen Typ von Auftrag: ein Event mit Wiederholung und der Chance auf verschiedene Positionierungen des Eventfotografen.

Eventfotografie bei Ehrung im Erbdrostenhof in Münster

Münster. Ich war wieder einmal als Eventfotograf gefragt, am 21. Mai 2023 in Münster. Einschränkungen durch Corona gab es wie im Vorjahr nicht. Diesmal fand eine Prämierung von Wettbewerbsarbeiten der Bereiche Architektur, Bauingenieurwesen und Städteplanung statt, im barocken Gebäude des Erbdrostenhofes, eine der feinsten Adressen in Münster.

Lebendige Porträts der Redner waren gefragt, der Blick ins Publikum, das Einfangen des ganz besonderen Ambientes, das Aufeinandertreffen von guten alten Bekannten aus der Szene. Für eine gute Ausleuchtung setzte ich zwei Blitze variabel ein, manchmal beide zusammen, manchmal nur einen. Einer wurde fix auf einem Stativ platziert, der zweite teils als Steuerungs-Einheit genutzt, teils als zusätzlicher Blitz, teils als Alternative.

Dank guter Vorbereitung klappte mit dem Hausmeister alles reibungslos. Ich hatte genug Zeit, die Beleuchtungsoptionen zu erkunden und zu testen. Neues ergab sich nicht – es war auch wenigstens das vierte Mal, dass der Verein mich beauftragte. Und auch aus anderen Aufträgen ist mir die Lokalität vertraut.

Das Gruppenfoto fand auch ohne Corona draußen statt. So konnte Schlauns Prachtbau einen hochwertigen Hintergrund liefern. Das Wetter spielte mit, es war trocken. Ein dezent eingesetzter Blitz frischte die Farben auf und lieferte etwas Licht für die Augenpartien. Nicht zuletzt – diesmal gab es einige Gaudi mit der Gruppe. Und als zwei gern ein separates Foto wollten, und bekamen, schlossen sich einige an – Zeit für etwas Kreatives. Sie werden Münster in guter Erinnerung behalten. Und hoffentlich den Eventfotografen auch.

Der Verein bekam seine Fotos zügig. “wirklich sehr schöne Bilder, vielen Dank dafür!” – “vielen Dank für die gelungenen Fotos.”

Man darf auf 2024 hoffen.

Eventfotograf im Erbdrostenhof zu Münster im November 2021

Münster. Ich war wieder einmal als Eventfotograf gefragt, am letzten Samstag in Münster. Das geschieht deutlich seltener als in früheren Jahren, wir wissen alle, warum. Diesmal fand eine Prämierung von Wettbewerbsarbeiten der Bereiche Architektur, Bauingenieurwesen und Städteplanung, im barocken Gebäude des Erbdrostenhofes, eine der feinsten Adressen in Münster.

Etwa 100 Menschen konnten teilnehmen, auf Grundlage der 2G-Regel. Vieles war wie sonst, einiges anders. Lebendige Porträts der Redner waren gefragt, der Blick ins Publikum, das Einfangen des ganz besonderen Ambientes. Für eine gute Ausleuchtung setzte ich zwei Blitze variabel ein, manchmal beide zusammen, manchmal nur einen. Dank guter Vorbereitung klappte mit dem Hausmeister alles reibungslos. Ich hatte genug Zeit, die Beleuchtungsoptionen zu erkunden und auszuprobieren.

Die Fotos ins Publikum hinein fallen diesmal nicht so attraktiv aus – man hatte sich diesmal entschieden, die Masken auf zu lassen, auch auf den Sitzplätzen.

So fand auch das Gruppenfoto nicht in seiner Stadt, sondern draußen. Das Wetter spielte mit, es war trocken. Ein dezent eingesetzter Blitz frischte die Farben und lieferte etwas Licht für die Augenpartien.

Als Eventfotograf bei der Preisverleihung in Münster

Erbdrostenhof Münster 2018

Münster. Eventfotografie stand beim Schlaun-Fest in Münster auf dem Programm, an zwei aufeinanderfolgenden Tagen, an zwei sehr unterschiedlichen Orten in Münster: Erst das moderne, lichterfüllte Foyer eines großen Versicherungsunternehmens, dann altehrwürdige Baukunst in einem historischen Gebäude.

Die Herausforderungen an den Eventfotografen

Wo lagen die Herausforderungen? Der Veranstalter, ein Verein von Architekten, wollte die Veranstaltung dokumentieren, auch für die Fachöffentlichkeit, sowie für die Sponsoren, und Material für die Pressearbeit.

So war Vielfalt gefragt, dazu ein speziell für die Presseaussendung gedachtes Motiv am zweiten Tag.

Die Location: Modern-lichtdurchflutet, aber mit Gegenlicht

Am ersten Tag: Präsentationen an Groß-Monitoren, Ansprachen der Veranstalter, Kleingruppen-Fotos mit den eingeladenen Preisträgern (Studierende und Absolventen aus Architektur und Städtebau).

im Foyer der LVM in Münster
Präsentation im Foyer der LVM als Aufgabe für den Eventfotografen aus Münster. Foto: A. Hasenkamp.

Die Herausforderung dabei: Drinnen war eine gewisse Helligkeit gegeben, eine gute Ausgangsbasis. Aber das Licht war ohne jeden Akzent, flach, mau, ohne Interesse – wenig Kontrast und Schärfe, keine Catch-Lights in den Augen. Außerdem war es draußen sehr hell, und aufgrund der Platzierung etlicher Monitore würde diese Helligkeit, auch Sonnenstrahlen, hinter den Motiven erscheinen. Außerdem wanderte die Sonne im Laufe des Nachmittags.
Es galt also, das Niveau an Licht im Inneren anzuheben und etwas vom Licht außen auszuschalten. Beides geschah u.a. mit einer Reihe von Blitzen an zwei Standorten auf der nächsthöheren Ebene. Hier war glücklicherweise der Zugang frei und die Blitze etc. konnten nicht stören.

 

Zweiter Tag: Historisch-schummerig in Münster

Ansprachen von Repräsentation von Städten und Land, Berufsverbänden; Ehrung der Arbeitsgruppen und der Preisträger insgesamt.

Münsters Erbdrostenhof war Schauplatz der Preisverleihung des Schlaun-Vereins auch im Jahr 2018. Foto: A. Hasenkamp.

[wird bei Interesse fortgesetzt]

Insgesamt waren die zwei Tage in Münster mit ihren so unterschiedlichen Lichtverhältnissen eine Herausforderung und eine schöne Gelegenheit für den Eventfotografen, die Geschichte in Bildern festzuhalten.

Zügig wurden die Bilder für eine Online-Galerie ausgesucht und knapp bearbeitet, die Bilder vom Samstag waren am Sonntagmorgen schon beim Veranstalter. Der Veranstalter ergriff die Gelegenheit und zeigte einige von ihnen dem Publikum im Erbdrostenhof – womit er den Eventfotograf überraschte.

Hier zeigt der Verein Fotos des Events im Erbdrostenhof zu Münster